Wer in einer Bar an der kantabrischen Küste bestellt, ohne genau hinzuschauen, bekommt manchmal etwas, das aussieht wie Calamares – aber anders schmeckt. Kleiner, zarter, mit diesem direkt-jodigen Nachklang vom Atlantik. Das sind Chipirones. Und a la plancha – auf der heißen Stahlplatte – sind sie in ihrer einfachsten und ehrlichsten Form.

Ich kenne dieses Gericht seit meiner Kindheit, aus Renedo de Cabuérniga. Meine Großmutter Agapita hat Chipirones nicht oft gemacht, aber wenn doch, dann ohne viel Aufwand: Hitze, Olivenöl, Knoblauch, fertig. Was ich damals für selbstverständlich hielt, habe ich in der Toro Tapasbar in Karlsruhe über Jahre immer wieder auf der Karte gehabt – und gemerkt, wie wenige Menschen nördlich der Pyrenäen überhaupt wissen, was Chipirones eigentlich sind.

Das ändert sich hier.

Chipirones a la plancha auf einem Teller mit Petersilien-Knoblauch-Öl, etwas Brot und Zitronenspalte
Chipirones a la plancha auf einem Teller mit Petersilien-Knoblauch-Öl, etwas Brot und Zitronenspalte – hell, frisch, appetitlich


Was sind Chipirones?

Chipirones sind Baby-Tintenfische – genauer gesagt junge Loligo vulgaris, der gewöhnliche Kalmar. Sie werden geerntet, bevor sie ausgewachsen sind, meist mit einer Körperlänge von 8 bis 12 cm. Das macht sie zarter als große Calamares, mit einer feineren Textur und einem milderen Geschmack.

Im Deutschen gibt es keinen wirklich treffenden Begriff dafür. „Kleine Tintenfische" klingt nach Schulbuch, „Baby-Calamares" klingt nach Speisekarte für Touristen. Im Spanischen ist chipirón der richtige und verbreitete Name – vor allem im Norden des Landes.

Was bedeutet a la plancha?

La plancha ist eine Stahlplatte, die direkt erhitzt wird – in spanischen Restaurants meist eingebaut in die Küchenzeile, auf hohe Temperaturen gebracht, bevor irgendetwas draufkommt. Das Garen auf der Plancha ist kein Braten im Öl, kein Frittieren, kein Dampfen. Es ist Direkthitze mit minimalem Fett.

Das Ergebnis: eine leichte Bräunung außen, saftiges Inneres, keine schwere Panade. Für Meeresfrüchte ist diese Methode ideal, weil sie den Eigengeschmack betont, statt ihn zu überlagern. Garnelen, Jakobsmuscheln, Chipirones – auf der Plancha zeigen sie, was sie sind.

Wer keine Plancha hat, nimmt eine gusseiserne Pfanne oder eine Grillplatte. Das Prinzip ist dasselbe: sehr heiß, wenig Öl, kurze Zeit.

Wo kommen Chipirones her?

Chipirones sind in ganz Spanien bekannt, aber sie sind ein Gericht des Nordens. Die Atlantikküste – Galicien, Asturien, Kantabrien, das Baskenland – bringt die frischesten Exemplare. Im Baskenland gehören chipirones en su tinta (in ihrer eigenen Tinte geschmort) zu den bekanntesten Gerichten überhaupt. A la plancha ist die schlichtere Variante, aber nicht die schlechtere.

Kantabrische Fischer bringen Chipirones vor allem von Frühjahr bis Herbst an Land. In den Bars von Santander oder Laredo liegen sie manchmal noch morgens auf Eis, wenn sie am frühen Nachmittag schon auf der Plancha landen. Diese Kürze zwischen Fang und Teller ist schwer zu ersetzen – und erklärt, warum Chipirones nördlich der Pyrenäen so selten in dieser Qualität auftauchen.

Beste Saison: Frühling bis Herbst – von April bis Oktober sind Chipirones am frischesten und am häufigsten verfügbar. Im Winter werden sie seltener und kleiner; die Qualität fällt ab. Wer im Sommer an der kantabrischen Küste ist, hat die beste Ausgangslage.

Die besten Chipirones a la plancha, die ich je gegessen habe, kamen aus der Küche des Mesón Rampalay in Santander – eine kleine Bar in der Calle Daoiz y Velarde 9, kein Touristenlokal, keine Speisekarte auf Englisch. Wer dort sitzt, sitzt zwischen Leuten aus dem Viertel. Die Chipirones kamen ohne Ankündigung: heiß, mit etwas Knoblauch-Petersilien-Öl, Zitronenspalte daneben. Das war alles. Und es hat gereicht. Mesón Rampalay ist in der Region berühmt weil es die besten Tapas der Welt täglich anbietet.

Meson Rampalay: Tafel mit Tapaskarte
Meson Rampalay hat eine Vielzahl an tollen Tapas

Zubereitung: Schritt für Schritt

Das Rezept ist kurz. Das ist kein Fehler, sondern das Prinzip.

Zutaten (für 2 Personen als Tapa, für 4 als Vorspeise)

Zutat Menge (2 Pers.) Menge (4 Pers.)
Frische Chipirones (gereinigt) 400 g 800 g
Olivenöl extra vergine 3 EL 5 EL
Knoblauchzehen 2 4
Glatte Petersilie (gehackt) 2 EL 4 EL
Zitrone ½ 1
Fleur de sel nach Geschmack nach Geschmack

Zubereitungszeit: 10 Minuten  |  Bratzeit: 4–5 Minuten  |  Schwierigkeitsgrad: einfach

Zubereitung

  1. Chipirones vorbereiten: Falls nicht schon gereinigt, Innereien entfernen, transparente Feder herausziehen, Tintenbeutel beiseitelegen. Gut abtrocknen – Feuchtigkeit ist der Feind der Röstung.
  2. Pfanne erhitzen: Gusseisenpfanne oder Grillplatte auf höchster Stufe 3–4 Minuten erhitzen. Sie soll richtig heiß sein, nicht nur warm.
  3. Öl und Knoblauch: Einen EL Olivenöl in die Pfanne geben, Knoblauchscheiben kurz anschwitzen – 30 bis 60 Sekunden, bis sie duften. Nicht bräunen lassen.
  4. Chipirones braten: Chipirones in die Pfanne legen, nicht bewegen. 2 Minuten auf einer Seite, dann wenden. Nochmals 1–2 Minuten. Sie sollen leichte Röststreifen bekommen, aber innen weich bleiben.
  5. Fertigstellen: Vom Herd nehmen, sofort mit Fleur de sel bestreuen, gehackte Petersilie drüber, restliches Olivenöl darüberträufeln. Zitronenspalte dazu. Sofort servieren.

[Bild: Chipirones in der Pfanne, Röstaromen, Petersilie obenauf – Close-up, warm beleuchtet]

Chipirones in der Pfanne, Röstaromen, Petersilie obenauf – Close-up, warm beleuchtet
Chipirones in der Pfanne, Röstaromen, Petersilie obenauf


Nährwerte pro Portion (ca. 200 g Chipirones, Tapa-Größe)

Nährstoff Menge
Kalorien ca. 180 kcal
Eiweiß ca. 28 g
Fett ca. 7 g (davon gesättigt: 1 g)
Kohlenhydrate ca. 3 g
Ballaststoffe 0 g
Jod sehr gute Quelle (≈ 90 µg)

Richtwerte ohne Brot und Alioli. Chipirones sind proteinreich, kalorienarm und liefern Jod, Vitamin B12 und Zink – klassische Vorteile von Meeresfrüchten aus dem Atlantik.

Worauf es wirklich ankommt

Frische schlägt alles andere. Tiefgekühlte Chipirones funktionieren, aber sie geben während des Bratens Wasser ab – das ist das genaue Gegenteil von dem, was eine Plancha leisten soll. Wenn du an frische Exemplare kommst, nimm sie.

Trockentupfen. Vor dem Braten müssen die Chipirones vollständig trocken sein. Wer diesen Schritt überspringt, röstet nicht – der dämpft.

Die Pfanne muss wirklich heiß sein. Nicht mittelwarm. Nicht „heiß genug". Richtig heiß. Wenn du die Chipirones reinlegst und es zischt laut, ist die Temperatur richtig. Wenn es leise schmort, war die Pfanne noch nicht bereit.

Nicht zu lang. Chipirones werden bei Überhitze gummiartig. 2 Minuten pro Seite genügen für die übliche Größe. Lieber zu kurz als zu lang – sie garen noch kurz nach dem Rausnehmen nach.

Olivenöl am Ende. Das beste Olivenöl kommt nicht in die heiße Pfanne, sondern drüber auf den Teller.

Varianten und Ideen

Mit Tinte

Wer die Tintenbeutel beim Reinigen aufhebt, kann sie ausdrücken und mit etwas Olivenöl und Knoblauch zu einer schwarzen Soße reduzieren. Ein Löffel davon unter die Chipirones – das ist kein Mehraufwand, aber ein anderes Gericht.

Mit Chorizo-Öl

Eine Scheibe chorizo kurz in Olivenöl anbraten, herausnehmen, das rote Öl auffangen. Dieses Öl dann über die fertig gebratenen Chipirones geben. Schärfe, Rauch, Meer – drei Aromen, die sich nicht behindern.

Als Pintxo

Einen Chipirón auf ein kleines Stück geröstetes Brot setzen, mit einem Zahnstocher fixieren, einen Tropfen Alioli daneben. Fertig ist ein Pintxo, der in jeder Bar des Baskenlandes funktioniert – und auch auf einem Tisch in Karlsruhe.

Mit Pimientos de Padrón

Chipirones und Pimientos de Padrón gleichzeitig auf der Plancha – kurz, heiß, mit grobem Salz. Die leicht bittere Note der Paprika und der Meeresgeschmack der Tintenfische ergänzen sich besser als man denkt.

Kalt als Salat

Übrig gebliebene Chipirones – falls das vorkommt – in Scheiben schneiden, mit Rucola, Kapern, einem guten Schuss Olivenöl und Zitronensaft vermischen. Kalt, am nächsten Tag, sind sie überraschend gut.

[Bild: Chipirones als Pintxo auf Brotscheibe, Zahnstocher, dunkler Holzhintergrund]

Wo bekommt man frische Chipirones in Deutschland?

Das ist die ehrliche Antwort: nicht überall. Chipirones sind kein Supermarkt-Produkt. Wer sie frisch haben will, muss etwas suchen.

  • Fischhändler auf Wochenmärkten – In Großstädten mit gutem Fischstand finden sich gelegentlich frische Kalmare in dieser Größe. Nachfragen lohnt sich: Wenn der Händler sie nicht führt, kann er sie oft bestellen.
  • Spanische oder mediterrane Supermärkte – Vor allem in Städten mit größerer spanischer Community. Tiefgekühlte Chipirones sind dort häufig zu finden – nicht ideal, aber brauchbar.
  • Online-Fischhändler – Anbieter wie fisch-im-netz.de liefern gelegentlich kleine Kalmare. Liefertermin und Fangdatum immer prüfen.
  • Beim Spanien-Urlaub – Wer an die Atlantikküste fährt, kauft direkt auf dem Mercado. In Santander gibt es den Mercado de la Esperanza, in San Sebastián den Mercado de la Bretxa. Dort stimmt die Qualität.

Tiefgekühlte Chipirones vor dem Braten vollständig auftauen, sehr gründlich abtrocknen und auf keinen Fall in der Auftaupfütze liegen lassen.

Was trinkt man dazu?

Die klassische Antwort im Baskenland ist Txakoli – ein trockener, leicht prickelnder Weißwein mit hoher Säure und niedrigem Alkohol. Er wird traditionell aus großer Höhe ins Glas gegossen, damit er kurz schäumt und seine Aromen öffnet. Zur Jodigkeit der Chipirones passt er fast schematisch gut.

In Kantabrien greift man häufiger zu einem kühlen Albariño aus Galicien – etwas fruchtiger, etwas fülliger, aber dieselbe Logik: Säure gegen Meer.

Wer keinen der beiden bekommt: Ein trockener, junger Rioja Blanco – Viura-basiert, ohne Holz – funktioniert ebenfalls. In der Toro Tapasbar in Karlsruhe serviere ich zu Meeresfrüchten häufig den Marqués de Ferrol aus dem Anbaugebiet Rías Baixas – frisch, mineral, mit dem richtigen Biss für alles, was aus dem Atlantik kommt.

Und wer keinen Wein trinkt: kaltes Wasser mit Zitrone, kein Bier. Bier übertönt die feinen Aromen – das ist keine Meinung, das ist Erfahrung.

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Die richtige Pfanne
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Häufige Fragen zu Chipirones a la plancha

Was sind Chipirones?

Chipirones sind kleine Baby-Tintenfische, die vor allem im Norden Spaniens – im Baskenland und in Kantabrien – sehr beliebt sind. Sie sind zarter als große Calamares und haben einen milden, leicht jodigen Meeresgeschmack.

Wie unterscheiden sich Chipirones von Calamares?

Calamares sind größere Tintenfische, die oft in Ringe geschnitten und frittiert werden. Chipirones bleiben ganz, sind kleiner und werden meist gegrillt oder auf der Plancha gegart – die Textur ist weicher, der Geschmack feiner.

Was bedeutet „a la plancha"?

„A la plancha" heißt auf der heißen Stahlplatte gegart – ohne viel Fett, mit direkter Hitze. Die Methode eignet sich besonders für Meeresfrüchte, weil sie Röstaromen erzeugt, ohne zu frittieren.

Kann man Chipirones a la plancha auch zu Hause machen?

Ja – eine schwere Eisenpfanne oder Grillplatte reicht. Wichtig ist, dass die Pfanne wirklich sehr heiß ist, bevor die Chipirones hineinkommen. Frische Tintenfische aus dem Fischladen funktionieren deutlich besser als aufgetaute Ware.

Wozu werden Chipirones a la plancha traditionell serviert?

Klassisch kommen sie mit Knoblauch, Petersilie und einem Spritzer Zitrone auf den Tisch – dazu weißes Brot. In Bars werden sie als Tapa oder Pintxo serviert, oft mit einem Txakoli oder kühlen Weißwein.

Wann ist die beste Saison für Chipirones?

Von April bis Oktober – dann sind sie am frischesten und am häufigsten verfügbar. Im Winter fällt die Qualität deutlich ab.

Wo bekommt man Chipirones in Deutschland?

Am zuverlässigsten bei gut sortierten Fischhändlern auf Wochenmärkten, in spanischen oder mediterranen Supermärkten sowie bei Online-Fischhändlern. Tiefgekühlt ist brauchbar – frisch ist besser.