Don Isidoro Blanco: Der echte Entdecker der Cueva de las Monedas in Puente Viesgo
Isidoro Blanco Fernández wurde um 1911 in Kantabrien geboren in einer ländlichen Gemeinde im Norden Spaniens. Seine Familie lebte von der Schaf- und Ziegenhaltung – ein entbehrungsreiches Leben ohne Zugang zu Bildung. Mein Großvater war kein Archäologe, kein Historiker und kein Forscher. Er war ein armer Hirtenjunge. Und doch verdankt ihm die Wissenschaft eine ihrer wichtigsten Fundstätten der paläolithischen Kunst in Nordspanien: die Cueva de las Monedas („Höhle der Münzen“) am Monte Castillo bei Puente Viesgo.
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| Mein Opa: Don Isidoro Blanco aus Renedo de Cabuerniga. |
1. Die Entdeckung: Ein Kind, ein Unwetter und ein Höhleneingang
Im Alter von etwa sieben Jahren hütete Isidoro allein eine kleine Schafherde in den Bergen Kantabriens. Die Familie war arm und die wenigen Schafe waren alles was man hatte.
Das Wetter an der kantabrischen Küste ist bekannt für seinen Regenreichtum. An einem dieser Tage suchte er Schutz vor einem Unwetter in einem natürlichen Höhleneingang. Was er dort fand, war kein einfacher Unterschlupf. Er kroch in den dunklen Gang hinein – tiefer, als es ein Kind hätte wagen sollen. Ohne Licht, ohne Ausrüstung, aber mit wachem Verstand erkundete er das unterirdische Labyrinth.
2. Die offizielle Meldung 1952: Vom Hirten zum Zeitzeugen
Viele Jahre später, im Frühjahr 1952 hörte Isidoro von archäologischen Ausgrabungen am Monte Castillo, einem der bedeutendsten Höhlenkomplexe der altsteinzeitlichen Kunst in Europa. Ihm wurde klar: Die Höhle seiner Kindheit war nirgendwo verzeichnet. Am 8. April 1952 begab er sich zur örtlichen Verwaltung von Puente Viesgo und meldete seine Entdeckung bei Felipe Puente, dem Leiter der Höhlenführer und Forscher.
Die Wissenschaftler fanden nicht nur eine beeindruckende geologische Struktur mit Stalaktiten und Stalagmiten. Sie entdeckten:
- Über 20 paläolithische Tierdarstellungen (Pferde, Hirsche, Ziegen)
- Symbolische Gravuren unbekannter Bedeutung
- Bärenknochen (daher der lokale Name „Cueva de los Osos“)
- Münzen aus der Zeit der Katholischen Könige (15.–16. Jahrhundert)
Letztere gaben der Höhle ihren heutigen Namen: Cueva de las Monedas – die „Höhle der Münzen“.
3. Wissenschaftliche Bedeutung der Cueva de las Monedas
Die Cueva de las Monedas ist heute ein fester Bestandteil des UNESCO-Welterbes „Altsteinzeitliche Höhlenkunst in Nordspanien“. Sie gehört zum Höhlensystem des Monte Castillo, zu dem auch die berühmten Höhlen El Castillo, Las Chimeneas und La Pasiega zählen. Die Felszeichnungen werden auf etwa 12.000 v. Chr. datiert – ein direktes Zeugnis der spätpaläolithischen Kultur in Kantabrien.
4. Was blieb von Isidoro Blanco?
Trotz seiner entscheidenden Rolle wurde mein Großvater in den Chroniken der kantabrischen Höhlenforschung lange Zeit nur am Rande erwähnt. Sein Name taucht in manchen offiziellen Dokumenten auf – eine umfassende Würdigung blieb aus. Es gibt kein Denkmal. Keine Gedenktafel. Keinen Abschnitt im Besucherzentrum. Was Isidoro Blanco erhielt, war das lebenslange Recht auf freien Zugang zur Höhle für sich und seine Familie – eine Geste der Anerkennung, aber keine öffentliche Ehrung. Meine Familie besucht die Cueva de las Monedas bis heute regelmäßig. Für uns ist sie kein Museum. Sie ist Familiengeschichte.
5. Besucherinformationen zur Cueva de las Monedas
| Lage | Monte Castillo, Puente Viesgo, Kantabrien, Spanien |
|---|---|
| UNESCO-Welterbe | Ja (seit 2008) |
| Führungen | Täglich (außer Montag), Spanisch/Englisch |
| Dauer | ca. 45 Minuten |
| Temperatur | 13–15 °C |
| Eintritt | ca. 5–7 € (ermäßigt 3–4 €) |
| Anfahrt | Von Santander ca. 25 Minuten über die CA-231 |
6. Häufige Fragen (FAQ)
Die Höhle wurde um 1918 von Isidoro Blanco Fernández entdeckt, damals ein siebenjähriger Hirtenjunge aus Kantabrien.
Isidoro Blanco meldete die Höhle am 8. April 1952 der örtlichen Verwaltung von Puente Viesgo.
Am Monte Castillo nahe Puente Viesgo in Kantabrien, Nordspanien.
Ja. Seit 2008 gehört sie zum UNESCO-Welterbe „Altsteinzeitliche Höhlenkunst in Nordspanien“.
Ja. Tägliche Führungen (außer montags). Ganzjährig geöffnet.
Nein. Keine Gedenktafel, kein Denkmal, kein Eintrag im Besucherzentrum.
7. Fazit: Ein Hirtenjunge, der die Geschichte veränderte
Isidoro Blanco Fernández entdeckte die Cueva de las Monedas nicht mit einer wissenschaftlichen Expedition – sondern mit sieben Jahren, einer Schafherde und einem Regenschauer. Er war kein Experte. Aber er hatte Neugier und Mut. Die Wissenschaft hat seinen Fund genutzt. Jetzt ist es an der Zeit, dem Menschen dahinter seinen Platz zu geben.
Besuche die Cueva de las Monedas in Puente Viesgo. Und denke dabei an den Jungen, der sie gefunden hat.

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