Benidorm früher und heute – eine Freundschaft, ein Buggy und 40 Jahre Spanien-Geschichte
Benidorm früher und heute – der Unterschied könnte kaum größer sein. In den 80er Jahren war die Stadt an der Costa Blanca ein völlig anderer Ort als heute.
Es gibt Menschen, die tauchen immer wieder im Leben auf. Keine engen Freunde im klassischen Sinne, keine täglichen Kontakte – und trotzdem besteht da etwas. Eine stille Verbindung, die nicht erklärt werden muss.
So eine Freundschaft verbindet mich mit Ecki. Seit über 40 Jahren kennen wir uns. Wir haben nie regelmäßig Kaffee getrunken, nie intensiv Zeit miteinander verbracht – und doch passt es jedes Mal sofort wieder, wenn wir uns sehen.
Neulich stand er plötzlich wieder in meiner Tapasbar in Karlsruhe. Nach langer Zeit. Frisch zurück aus Spanien. Und wie das dann so ist – ein Gespräch ergibt das nächste. Irgendwann landen wir bei seiner Geschichte. Und bei seiner großen Liebe: Benidorm.
Benidorm in den 80er Jahren – wie Spanien früher wirklich war
„Das Benidorm von damals hat nichts mit dem heutigen zu tun.“
Er spricht von den 1980er. Spanien war noch nicht Mitglied der Europäischen Gemeinschaft (Beitritt: 1986), die Euro-Einführung lag noch Jahre entfernt. Gezahlt wurde in Peseten, vieles war improvisierter, weniger reglementiert – und oft auch ursprünglicher.
Spanien im Wandel
Die 80er waren eine Übergangszeit:
- Die Diktatur unter Francisco Franco lag erst wenige Jahre zurück (gestorben 1975)
- Die Demokratie war noch jung
- Der Tourismus begann zu explodieren, aber war noch nicht durchstrukturiert
- Küstenorte wie Benidorm entwickelten sich rasant – oft ohne langfristige Planung
Zahlen & Kontext:
- 1985 hatte Spanien rund 47 Millionen Touristen jährlich
- Heute sind es über 80 Millionen (Stand vor Pandemie)
- Die Region Valencia, zu der Benidorm gehört, zählt heute zu den wichtigsten Tourismusmotoren Spaniens
Damals aber war vieles noch… roh. Direkter. Weniger standardisiert.
Die Reise: Mit dem Buggy nach Spanien
Ich frage ihn: „Wie bist du überhaupt dahin gekommen?“
Seine Antwort ist typisch Ecki:
„Ich hab mir einfach einen Buggy gekauft. In Ettlingen. Einen roten Buggy“
Ich war jung. Kein großer Plan. Keine perfekte Vorbereitung. Einfach los.
Spontanität, wie es sie heute kaum noch gibt
Man muss sich das vorstellen:
- Keine Navigation per Smartphone
- Keine Online-Buchungen
- Kaum internationale Vernetzung
- Sprachbarrieren real und präsent
Ecki konnte Deutsch, Englisch und Französisch. Für Spanien… eher suboptimal.
Also hat er kurzerhand seine Spanischlehrerin Bernadette mitgenommen.
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Bernadette im roten Buggy auf dem Weg nach Benidorm in den 80er Jahren
Aus dieser spontanen Entscheidung wurde mehr als nur eine Reise:
Die beiden waren danach fünf Jahre ein Paar.
Heute ist Reisen deutlich einfacher – etwa mit gut ausgebauten Busverbindungen durch ganz Spanien.
Leben in Altea statt Benidorm
Interessant ist: Ecki lebte gar nicht direkt in Benidorm.
Er wohnte in Altea – nur wenige Kilometer entfernt, aber atmosphärisch eine ganz andere Welt.
Die Region rund um Alicante gehört übrigens zur Valencianischen Gemeinschaft – eine der 17 autonomen Regionen Spaniens.
Altea vs. Benidorm – damals wie heute
Benidorm:
- Schon damals wachsender Massentourismus
- Hochhäuser, Verdichtung, Internationalität
- Fokus auf Strand, Unterhaltung, Nachtleben
Altea:
- Kleinstadtcharakter
- Künstler, Individualisten
- Weiße Altstadt, ruhiger, ursprünglicher
Diese Kombination war typisch für viele Spanien-Auswanderer der Zeit:
Arbeiten oder erleben in Benidorm – wohnen in ruhigeren Orten wie Altea.
Die deutsche Metzgerei in Benidorm – ein Stück Heimat an der Costa Blanca
Mitten im Gespräch wird Ecki plötzlich konkreter. Weg von der Reise, hin zum Alltag damals.
„Hier in Benidorm habe ich mit einem Geschäftspartner eine Metzgerei eröffnet“, sagt er. Der Name: Die deutsche Metzgerei.
Was heute nach klarem Konzept klingt, war damals vor allem eines: mutig.
Deutsche Wurstkultur trifft spanischen Alltag
Ecki beschreibt das Gefühl, als sie den Laden eröffneten:
„Es war schon etwas Besonderes, deutsche Slogans am Schaufenster zu sehen – Westfalia – Deutsche Fleisch- und Wurstwaren.“
Dazu kamen spanische Begriffe, ganz selbstverständlich nebeneinander:
- Charcutería
- Carnicería
- Cafetería
- Grill – Especialidad alemana
Diese Mischung zeigt ziemlich gut, wie Spanien damals funktionierte: pragmatisch, offen und oft ohne klare Trennung zwischen Kulturen.
Die Speisekarte: Deftig, deutsch, gefragt
Ecki holt alte Fotos hervor. Vergilbte Karten, einfache Gestaltung – aber der Inhalt sagt alles:
- Spießbraten mit Zwiebeln
- Zwiebelhackbraten
- Bayerischer Leberkäse
- Halbes Hähnchen
- Currywurst
Gerichte, die heute in deutschen Touristenregionen Standard sind – damals aber noch echtes Neuland waren.
Und genau das funktionierte.
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| Das Team von der Metzgerei Westfalia in Benidorm |
Wirtschaftlich erfolgreich – zumindest für eine Zeit
„Das lief einige Jahre richtig gut“, sagt Ecki.
Die Nachfrage war da:
- deutsche Touristen
- Auswanderer
- neugierige Spanier
In einer Zeit, in der internationale Gastronomie noch nicht flächendeckend war, hatte so ein Konzept echten Mehrwert. Wer heute ein Geschäft in Spanien eröffnet, braucht übrigens zuerst die NIE-Nummer.
Warum er trotzdem zurückging
Trotz des Erfolgs kam irgendwann die Entscheidung: zurück nach Deutschland.
Kein Drama, keine Krise – eher ein klassischer Wendepunkt.
So, wie viele Lebensabschnitte in Spanien beginnen, enden sie auch wieder.
Und genau das passt zu Eckis Geschichte:
Nichts war für die Ewigkeit geplant – aber vieles hat Spuren hinterlassen.
Zwischenfazit: Spanien war damals kein Produkt, sondern ein Abenteuer
Was heute oft durchorganisiert ist, war damals offen.
Man musste sich durchschlagen. Improvisieren. Kontakte knüpfen.
Und genau das hat viele geprägt.
Eckis Geschichte ist kein Einzelfall. Viele, die Spanien in den 80ern erlebt haben, sprechen von:
- mehr Freiheit
- weniger Regeln
- intensiveren Begegnungen
- stärkerem Gefühl von „Entdeckung“
40 Jahre später: Wiedersehen und Wiederfinden
Das eigentlich Faszinierende kommt erst jetzt.
Ecki erzählt mir, dass er seine damalige Villa in Altea wiedergefunden hat.
Mitten im Zentrum. Komplett renoviert. Kaum wiederzuerkennen – und doch vertraut.
Was sich verändert hat
Spanien – und besonders die Costa Blanca – hat sich massiv entwickelt:
- Immobilienpreise stark gestiegen
- Infrastruktur deutlich verbessert
- Internationalisierung extrem fortgeschritten
- Digitalisierung in allen Bereichen
Und trotzdem gibt es diese Momente, in denen Vergangenheit und Gegenwart zusammenfallen.
Ein Haus. Ein Ort. Eine Erinnerung.
Zahlen & Fakten: Benidorm heute
Um die Entwicklung greifbar zu machen:
- Benidorm hat rund 70.000 Einwohner
- In der Hochsaison kommen über 400.000 Touristen gleichzeitig
- Über 60% der Besucher sind international (vor allem UK, Niederlande, Deutschland)
- Die Skyline zählt zu den dichtesten Europas
Die Stadt ist heute ein durchoptimiertes Tourismuszentrum – effizient, professionell, global.
Und genau deshalb wirkt die Geschichte von Ecki wie aus einer anderen Zeit.
Persönliche Einschätzung: Warum solche Geschichten wichtig sind
Was mir an diesem Gespräch hängen geblieben ist, ist nicht nur die Spanien-Geschichte.
Es ist diese Art von Begegnung.
Menschen wie Ecki erinnern einen daran, dass:
- nicht alles geplant sein muss
- Zufälle oft die besten Geschichten schreiben
- Orte sich verändern – aber Gefühle oft bleiben
Und vielleicht auch daran, dass Spanien mehr ist als nur Urlaubsziel.
Es ist für viele ein Kapitel im Leben.
Typische Situationen, die viele kennen
Wenn man sich in der Nische „Spanien-Erfahrungen“ bewegt, tauchen ähnliche Muster immer wieder auf:
1. Der spontane Aufbruch
Viele reisen nicht geplant nach Spanien – sie „landen“ dort.
2. Die unerwartete Beziehung
Ob Freundschaft oder Partnerschaft – Begegnungen entstehen oft zufällig.
3. Der zweite Blick Jahre später
Viele kehren nach Jahrzehnten zurück – und vergleichen.
4. Der Kulturschock – in beide Richtungen
Damals: Spanien wirkt chaotisch
Heute: Spanien wirkt oft strukturierter als erwartet
FAQ: Benidorm, Spanien damals und persönliche Geschichten
1. Wie war Benidorm in den 80er Jahren wirklich?
Weniger reguliert, weniger dicht bebaut (trotz Hochhäusern), stärker im Wachstum. Tourismus war da, aber nicht so durchorganisiert wie heute.
2. Warum sind so viele Deutsche damals nach Spanien gegangen?
Wegen Klima, Freiheit, niedriger Lebenshaltungskosten und einem Gefühl von Aufbruch nach der Franco-Zeit.
3. Ist Altea heute noch ein Geheimtipp?
Kein echter Geheimtipp mehr, aber im Vergleich zu Benidorm deutlich ruhiger und kulturell interessanter.
4. Wie stark hat sich Spanien seit den 80ern verändert?
Massiv. EU-Beitritt, Euro-Einführung, Infrastruktur, Digitalisierung – Spanien ist heute ein modernes EU-Land mit hoher Lebensqualität.
5. Lohnt sich ein Besuch in Benidorm heute noch?
Ja – aber mit klarer Erwartung: moderner Massentourismus, nicht das ursprüngliche Spanien der 80er.
6. Gibt es solche spontanen Reisen heute noch?
Seltener. Durch Digitalisierung ist vieles planbarer geworden. Aber genau deshalb wirken solche Geschichten heute so besonders.
Fazit: Mehr als nur eine Spanien-Geschichte
Am Ende geht es hier nicht nur um Benidorm.
Es geht um Zeit. Veränderung. Und um diese besonderen Menschen, die immer wieder auftauchen.
Ecki kam in meine Bar, wir haben geredet – und plötzlich war man 40 Jahre zurück.
Und gleichzeitig wieder im Hier und Jetzt.
Vielleicht ist genau das der Kern solcher Geschichten:
Spanien ist nicht nur ein Ort. Es ist ein Teil von Lebenswegen.


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